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Ein Rückblick auf die Freizeitarbeitenausstellung aus anderer Warte. Im Zentrum der Ausstellung standen natürlich die in Qualität und Vielfalt beeindruckenden Freizeitarbeiten. Mich beeindruckten die vielen Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Alterspalette aber ebenso. Matthias Jäger*

So unterschiedlich diese auch gewesen sein mögen, eines hatten sie gemeinsam. Sie alle sind stolz: die Mutter auf den Sohn, der Primarschüler auf die grosse Schwester, die junge Erwachsene auf sich selber und ihre ausstellenden Kollegen, die Ausbildnerin auf die Lernenden, der Politiker auf die Leistungsschau, die Unternehmerin auf ihre Präsenz, die Veranstalter auf die gelungene Eröffnung, den Aufmarsch und die Beachtung in der Presse, der Grossvater auf die Erinnerungen an seine eigene Lehrzeit. Und wir alle zusammen sind stolz auf ein lebendiges und gelebtes Berufsbildungssystem.
 
Ein halbes Berufsleben lang versuchte ich in Entwicklungsländern und Osteuropa Unternehmer, Bildungsverwaltungen, Politiker, Jugendliche, Schuldirektoren, Lehrpersonen, Medienschaffende, Verbandsleute vom Wert der Berufsbildung und von der Notwendigkeit einer Zusammenarbeit zwischen Staat und Privatwirtschaft zu überzeugen. Weil das so schwierig ist, weiss ich nur zu gut, wie wenig selbstverständlich ein leistungsfähiges Berufsbildungssystem ist, und wie glücklich wir uns damit schätzen können.
 
Karrierenschmiede
Vielleicht sind Berufsstolz und breite Wertschätzung von Berufsbildung wesentliche Bausteine für ein erfolgreiches Berufsbildungssystem. Beides fehlt in vielen Ländern weitgehend. Dass in meinem eigenen familiären Patchwork drei von vier Kindern den Berufsbildungsweg wählten, dass bei uns Gemeindepräsidenten, Regierungsräte oder Bankdirektoren ihren Weg ins Berufsleben aus einer Betriebslehre heraus starteten, ist für uns so selbstverständlich, dass man gar nicht darüber reden muss.
In vielen Ländern wecken solche Geschichten ungläubiges Staunen. Sogar in Ländern, in denen sich Regierungen die Stärkung der Berufsbildung auf die Fahne geschrieben haben, fehlt diese grundlegende Wertschätzung für Berufsbildung weitgehend. Berufsbildung mag zwar politisch und für die Entwicklung wichtig sein, aber natürlich nur für die Kinder der anderen, nie für die eigenen! In einer Talkshow stellte ich dem albanischen Bildungsminister einmal die Frage, was passieren müsste, dass er seine eigenen Kinder den Berufsbildungspfad wählen lassen würde. Er kam ins Stottern. Berufsbildung gehört in vielen Ländern mehr zum Instrumentarium der Sozialpolitik, als dass sie eine echte Option für Jugendliche und Betriebe wäre.
 
Berufssstolz als Triebfeder
Trotz aller Traditionen und der guten gesellschaftlichen Verankerung und Anerkennung ist Berufsbildung auch bei uns kein Selbstläufer. Wir müssen ihr Sorge tragen, und sie muss sich dauernd neu erfinden. Es ist noch keine zwei Monate her, seit wieder einmal der unsägliche Ruf nach der Matura für alle durch die Medien geisterte.
Aber wer ist das WIR, das der Berufsbildung Sorge tragen muss? Getragen wird sie von all denen, die auch die Freizeitarbeitenausstellung tragen, zuerst und vor allem von den Lernenden mit ihrem Engagement und ihrem Berufsstolz. Allerdings stünden sie ohne ebenso engagierte Kleinunternehmen, Handwerksbetriebe, Dienstleister, Industriebetriebe, Ausbildnerinnen und Ausbildner, Berufsfachschulen, Verbände und kantonale Ämter im Regen.
 
Aber selbst wir als Besucherinnen und Besucher dieser Ausstellung sind ein kleines Puzzlesteinchen in der so wichtigen gesellschaftlichen Wertschätzung von Berufsbildung. Denn ohne die kommt das komplexe Zusammenspiel von Betrieben, Verbänden, Politik, Verwaltung, Schulen, Lernenden und Eltern rasch einmal ins Stottern. In diesem Sinn konnten wir uns nicht nur an den ausgestellten Arbeiten freuen, sondern auch daran, dass es diesen grossartigen Anlass überhaupt gibt, und dass er so viele Besucherinnen und Besucher anzulocken vermochte.

(Tüüfner Poscht - Die Dorfzeitung von Teufen, April 2017)
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